METROPOLIS
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Black Girls and White Boys
Gestern
war mal wieder Valentinstag; nur Konsum sagen die einen, eine schöne
Tradition die anderen. Davon mal abgesehen ist der Valentinstag für
mich Jahr für Jahr Anlass und Gelegenheit über Beziehungen zwischen
Menschen unterschiedlicher Nationalität, Herkunft und Kultur zu
sinnieren. Oder genauer gesagt über Beziehungen zwischen ’black
girls
and white
boys’.
Vielleicht trügt mich mein Eindruck, aber mir scheint, dass diese
Paarkonstellation doch irgendwie eine – prozentuale - Seltenheit
darstellt.
Nur,
warum? Im Grunde geht es doch um die immer gleiche, simple
Geschichte; Junge mag Mädchen, Mädchen mag Junge … und im Märchen
käme jetzt „und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch
heute; glücklich und zufrieden.“ In der Realität scheinen mir
aber nicht böse Stiefmütter das Mädchen und den Jungen an ihrem
Glück zu hindern. Wer sind also die modernen bösen Stiefmütter?
Eltern, Freunde, die Gesellschaft, unsere Kultur? Irgendwie mag ich
das nicht so recht annehmen, dafür kenne ich viel zu viele white
women
die black
men
daten. Und warum sollte diese Konstellation „normal“ sein, und
die umgekehrte Konstellation die seltene „Ausnahme von der Regel“?
Ich schließe nicht aus, dass mich mein Eindruck täuscht, aber was,
wenn nicht?!
Abgesehen
davon, dass ich in meiner Kindheit und Jugend bei Gängen durch die
Stadt den Eindruck hatte, dass ich vor allem white
women
mit black
men
begegnet bin – und den umgekehrten Fall an den Fingern meiner
beiden Händen abzählen kann – ist mein Eindruck wohl am
Prägensten durch die moderne Traum- und Märchenfabrik gefärbt
worden: HOLLYWOOD!!!
Es
heißt ja immer so schön, dass wir, vor allem in unserer Jugend,
Vorbilder suchen. Warum nicht auch in Beziehungsangelegenheiten? Es
fragt sich nur, wo man diese Vorbilder dann findet. Wenn nicht in der
Verwandtschaft, nicht im Freundeskreis, nicht in der Schule, gut,
dann vielleicht in der Literatur; oder eben den Medien. Während
meine Freundinnen sich einen Freund à la Leonardo Di Caprio als Jack
in "Titanic"
wünschten, blieb da immer diese eine Frage in meinem Kopf: Nicht
kann, sondern darf
ich mich mit denselben Figuren identifizieren? Mal ganz im Ernst, wir
pochen jetzt wahrscheinlich auf Emanzipation der Frauen und auf die
Gleichheit aller, aber nichtsdestoweniger heißt das nicht, dass ich
– und bestimmt auch ein paar andere – sich diese Frage nicht
irgendwann mal gestellt haben.
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| White Girl und Black Man - ein seltener Anblick? |
Vor
einer Weile bin ich auf eine Frage gestoßen, die das Dilemma in dem
ich da als Jugendliche steckte, meines Erachtens nach schön
veranschaulicht. In dem Film Good Hair
(2009) fragt Lola ihren Vater Chris Rock: „Daddy, How come I don’t
have good hair?“ und Melyssa Ford erklärt wenig später in
demselben Film, dass sie als Kind annahm „good hair is white hair.”
Schockierend, dass ein Kind annehmen muss, es habe keine guten
Haare!
Aber um auf die Analogie zurückzukommen, an irgendeinem Punkt dachte
ich wohl: „Girldfriends are White
friends.“ Ernsthaft? Ja, ernsthaft.
Und
das bringt mich zur modernen Märchenfabrik HOLLYWOOD zurück. Nicht
nur, dass die meisten farbigen und schwarzen Frauen in den Filmen
geglättete Haare haben, sodass man sich bei einem Blick in den
Spiegel tatsächlich fragen kann, ob die eigenen Krauselocken
irgendwie „fehlerhaft“ oder weniger „schön“ sind. Auch haben
die Filmfiguren der meisten dieser Schauspielerinnen schwarze oder
farbige Partner. Also, so wie die Medien – meiner Meinung nach –
zu dem Eindruck beitragen, schönes Haar bedeutet glattes Haar, so
konstruieren selbige auch den Eindruck, dass black
women
vor allem black
men
daten. Spontan fallen mir nämlich nur drei Filme ein, in denen black
women
white
men
daten: „Bodyguard“ mit Whitney Housten aus dem Jahr 1992,
„Corrina, Corrina“ mit Woopi Goldberg aus dem Jahr 1994 sowie der
2008 erschienene Film „Lakeview Terrace“ mit Kerry Washington
und Samuel L. Jackson. Herrje, mir wäre viel Frust erspart worden,
hätte ich die Filme nicht erst nach meinem 16.Lebensjahr entdeckt ;)
Für den umgekehrten Fall fallen mir dagegen bedeutend mehr Beispiele
ein. Eine Auswahl: „Save the last Dance“, „Out of Time“,
„Forrester – gefunden“, „Hancock“, „Hitch – DerDatedoktor“, „Honey“, „Malcom X“, „Men in Black“,
„Valentine’s Day“ und der Klassiker aus dem Jahr 1967 mit
Sidney Portier „Guess Who’s Coming to Dinner“.
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| "Die braune Rose" beschreibt die Liebe eines Black Girl und eines White Boy |
Auch
wenn ich mich nicht entsinnen kann meine Mutter jemals gefragt zu
haben, ob ich aus irgendeinem Grund weniger als girlfriend
in Frage komme als meine Freundinnen; vielleicht hat sie meine stille
Frage ja geahnt, jedenfalls schenkte sie mir zu Beginn meiner Jugend
das Buch „Die braune Rose“. Und es mutet für mich bis heute
paradox an, dass ausgerechnet ein deutscher Autor mir das Vorbild
lieferte, das Hollywood so schwer zu fallen scheint - die Geschichte
eines farbigen Mädchens und eines weißen Jungen in Deutschland (!),
die sich ineinander verlieben.
Liebe
KrauseLocken, ich hoffe, dass ihr alle, Single oder glücklich
vergeben, einen schönen Valentinstag hattet. Und die Geschichte
lautet halt doch: Junge mag Mädchen und Mädchen mag Junge. ;)
In
diesem Sinne,
Eure
Joan
Labels: Krausekultur, Metropolis