M.I.A. - durch Unterdrückung, Flucht und Rassismus in die
Kunst getrieben

M.I.A. ist nicht nur die Abkürzung für "Missing in Action" sondern auch für den Namen Mathangi "Maya" Arulpragasam. M.I.A. ist Britin mit sri-lankischem Background und vereint gleich mehrere Talente. 

Sie ist nicht nur Sängerin und Rapperin, sondern auch Musikproduzentin, Malerin und Leiterin der Sri Lankan Tamil People. Die Tamilen sind ein hinduistischs Volk in Sri Lanka, einer Insel, die größtenteils von buddhistischen Singhalesen bewohnt wird. Tamilen und Singhalesen kämpfen seit Jahren um die Aufteilung der Insel und die Tamilen werden von der Mehrheit unterdrückt. Der Konflikt mündete in einem jahrelangen Bürgerkrieg, der erst Ende 2009 aufgehoben wurde.

Nachdem M.I.A. 1975 in London geboren wurde, kehrt sie zunächst mit ihren Eltern nach Sri Lanka zurück. Dort müssen sie die Realität des Bürgerkriegs miterleben. M.I.A.'s Vater Arular ist außerdem in einer militanten, tamilischen Befreiungsgruppe aktiv. Als es zu gefährlich wird, flüchtet die Mutter mit M.I.A und ihren Geschwistern zurück nach London. Doch auch dort hat sie es nicht leicht. Sie wird Opfer von Rassismus und zieht sich deswegen eher zurück. M.I.A. flüchtet sich in die Musik. Rapgruppen wie N.W.A. und Public Enemy und deren revolutionistische Inhalte werden ihr zum Vorbild. Neben Hip Hop wird Kunst ihre Leidenschaft. Sie besucht die London's Central Saint Martins Art School und stellt ihre Werke in mehrere Ausstellung zur Schau. Währenddessen macht M.I.A auch selber Musik und veröffentlicht 2005 letztendlich ihr erstes Album, benannt nach ihrem Vater "Arular". 2007 erscheint ihr Album "Kala", welches nach ihrer Mutter benannt ist. 2010 erscheint das Album "Maya".

Allerspätestens mit ihrem Track "Paper Planes" aus dem Film Slumdog Millionaire erhöht sich 2008 M.I.A.'s Bekanntheitsgrad. In dem Track sind regelmäßig, rhythmisch Gewehrschüsse zu hören, die von MTV systematisch ausgetauscht werden. Das ärgert die revolutionäre M.I.A., hindert sie aber nicht daran auf diesem Wege weiter zu machen.

Das Musikvideo zu ihrem Track "Born Free" bekommt ein Verbot auf Youtube, da es an militanter Gewalt und Brutalität kaum zu überbieten sei. Trotzdem sind Video und der Track bemerkenswert. M.I.A. veranschaulicht in dem Video die militante Verfolgung und Unterdrückung einer Minderheit und macht somit auf die vorherrschenden Situationen in vielen Ländern aufmerksam. Die Minderheit in "Born Free" ist jedoch eine, die sich gegen jede Erwartung stellt: Es sind weiße, rothaarige Männer, die gequält und hingerichtet werden. Rasissmus und Unterdrückung wird aus einer neuen Perspektive beleuchtet. "I was born free", die Lyrics des Tracks weisen vor diesem Hintergrund darauf hin, dass wir alle im Grunde frei geborene Individuen sind.


MIA Bornfree OFFICIAL from M.I.A on Vimeo.

Auch M.I.A.'s neues Video "Bad Girls" provoziert und hat revolutionäre Ansätze. Es ist ein protziges Hip Hop Video erster Güte, mit Bling Bling, schnellen Autos und sich sexy bewegenden Frauen. Der einzige Unterschied zu dem, was man bereits kennt: Die Frauen sind vermummt, das Video ist in einem muslimischen Land angesiedelt. Auch hier werden gängige Erwartungen gesprengt. Das Video strotzt vor Selbstbewusstsein, auch aus weiblicher Perspektive. 


Echte Message oder oberflächliche Provokation? Die Meinungen teilen sich bei M.I.A., so wie sie es bei jedem tun, der sich außerhalb der Norm bewegt. Und das tut M.I.A. als moderne, revolutionäre Künstlerin.


Text: Esther Donkor
Picture-Source: http://jenbecksz.tumblr.com/post/5739940589

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