Interview mit Tyree Glenn jr. (2)

Bei uns Krauselocken dreht sich vieles um unsere Haare. Aber was wäre, wenn uns überhaupt keine Haare mehr wachsen würden? Alopecia Areta heißt die Krankheit über die Tyree Glenn jr. uns heute aufklärt.




Künstler werden oft nach ihrer „Inspiration“ gefragt. Wer hat Sie inspiriert? Und, sehen Sie sich als Inspiration für junge/andere Künstler?

Okay, meine Inspiration war James Brown. Junior Walker. King Curtis, das war ein Freund von mir, auch Saxophonist. Jeder ist beeinflusst von anderen Musikern. Aber glücklicherweise hatte ich in Amerika die Gelegenheit mache Leute kennen zu lernen und andere auf der Bühne zu sehen. Und das haben viele junge Leute heute nicht mehr. Die Leute sind ganz weit weg. Es fehlt… Okay, wait a minute I get a call here. One moment!

[Unterbrechung wegen Telefonat]

Ich bin immer überrascht, weil ich erstens vergesse wie alt ich bin.[lacht]  Ich bin schon lange, lange Zeit im Showbusiness. Und ich treffe ab und zu junge Musiker und sie sagen „Oh, als ich ein junger Mann war habe ich Sie gesehen, und Du hast mich inspiriert Musiker zu werden.“ Ich? Ich bin immer überrascht. Wie soll ich das sagen?  Es ist sehr nett und schön, wenn jemand sagt, dass ich ihn inspiriert habe, Musiker zu sein. Ob ich ein Vorbild bin, weiß ich nicht. Denn im Prinzip spiele ich eine andere Musik. Ich spiele die Musik von damals und ich glaube nicht, dass viele junge Leute da draußen die Musik aus den 60ern oder so spielen möchten. Sondern die Musiker der 80er, 90er oder eben von heute. Aber ich versuche durch mein Verhalten auf der Bühne ein Vorbild zu sein. Zum Beispiel ist es bei meiner Band und mir nicht erlaubt zu Rauchen, also no cigarettes, no drinking. Wir sind da um zu arbeiten, um zu unterhalten. Und wenn man in einem Büro arbeitet, hat man dann eine Flasche Bier auf dem Tisch? Nein. Das ist mein Arbeitsplatz und ich versuche immer „professional“ zu sein, auf der Bühne. Diese Professionalität fehlt vielen Bands, weil sie kein Vorbild haben. Sie schauen sich die Rolling Stones an und denken, oh yeah, so muss das sein! Aber das ist nicht das A und O wie man auf der Bühne auftritt. Also in dieser Hinsicht bin ich, hoffe ich, vielleicht ein Vorbild.

Am 3.März begann in Indonesien das größte Jazz-Festival der Welt, das Java Jazz Festival. Haben Sie dort schon mal gespielt oder würden Sie dort gerne einmal spielen?

Ich würde gerne überall spielen. Irgendwo habe ich davon gehört, aber ich habe noch nie dort gespielt. Die meisten Festivals auf denen ich gespielt habe, sind in Europa. Ich habe auch in Russland, in Sibirien gespielt. Eine Woche in Novosibirsk. Russland war sehr schön. Aber meine meiste Arbeit ist in Italien, Switzerland, France und in Deutschland natürlich. Ich habe auch in Portugal gespielt. Mein Lieblingsfestival ist das Montreux Jazz Festival in der Schweiz. Dort habe ich schon ein paar Mal gespielt und beim letzten Mal habe ich eine Show mit B.B. King gemacht. Das war vor ein paar Jahren. Und ich habe auch, was sehr schön war, auf einem Festival in Dubai und Abu Dhabi gespielt.

Sie sind also viel rumgekommen. Gibt es ein Konzert (oder mehrere), das Sie in besonderer Erinnerung behalten haben? Und wenn ja, welches und warum?

Mhm, lass mich überlegen. Es gibt so viele Highlights. [überlegt] Ich denke, das Jazzfestival in Abu Dhabi war eines der Highlights. Weil dies das erste Mal war, dass wir in einem arabischen Land aufgetreten sind und wir wussten nicht, wie wir ankommen würden. Aber es waren viele Ausländer da, viele Amerikaner. Aber es war Open Air, draußen, das Wetter war schön und die Leute sind fast auf die Bühne gekommen. Wild und getanzt. Das war schön. Aber es gibt so viele Highlights in my life, in meinem Leben. Sie sind alle schön.

Sie waren früher Basketballer und haben als Profi in Europa gespielt. Was würden Sie sagen, welche Bedeutung hat der Sport für Sie (gehabt)?

Okay, ich habe für Benfica, eine bekannte Fußballmannschaft, in Portugal gespielt. – Fußball? – Die Leute kennen Benfica als Fußballmannschaft. Ich habe Basketball gespielt. Es ist der größte Verein in Portugal und dort habe ich Basketball gespielt. Viele kennen Eusébio, er war eine Legende, und  er war ein Freund von mir, damals in Portugal. Und das Basketball, ich bin leidenschaftlicher Basketballer, noch heute, Streetball,  mit 71, …. Aber das Basketbalspielenl hält mich fit, it keeps me in shape, für die Bühne! Basketball, Sport überhaupt, war ein sehr wichtiger Teil meines Lebens! Ich habe in Amerika American Football gespielt, Basketball, Baseball.Die üblichen amerikanischen Sportarten eben.  Und ich habe noch immer eine Beziehung zu Sport, heute schaue ich halt Sport von der Couch: a  „Couch-Potato“. Aber ich liebe es raus zu gehen und zu spielen, anstatt auf der Couch zu liegen.

Millionen Frauen & auch Männer mit Krauselocken weltweit setzen alles daran ihre Haare zu glätten: sie relaxen, lassen sich Weaves machen und was es sonst noch geben mag. Auch um den Preis des totalen Haarverlusts! Ein ganz anderer Fall liegt vor, wenn man seine Haare krankheitsbedingt verliert. Sie engagieren sich für die National Alopecia Areata Foundation (http://www.naaf.org). Erzählen Sie uns doch bitte etwas über die Stiftung und die Krankheit, Alopecia Areta. Und, warum engagieren Sie sich für die NAAF? Wie können andere helfen?

Viele Leute die Alopecia Artea haben; Die Gesellschaft sagt „Uh, eine Glatz, hihi…“. Aber die Leute können nichts dafür, wenn sie ihre Haare verlieren, weil es eine Krankheit ist, für die es keine cure, keine Heilung gibt. Im Moment. Wir arbeiten daran! Und viele junge Mädchen und Kinder schämen sich dafür, dass sie eine Glatze haben. Und ich habe einen Song geschrieben, er ist auf meiner CD „Bald ist Best“, Glatze ist geil. Ich habe einen Artikel über einen Mann gelesen habe, der versucht hat ein Tupée zu tragen und alles, bis er gesagt hat „scheiß drauf, ich trage eine Glatze“. Und da wollte ich ihm etwas Mut machen und habe versucht mit ihm Kontakt aufzunehmen. Und er war in Kontakt mit der NAAF, sodass ich einfach dort in San Francisco angerufen habe, weil ich eigentlich die Adresse von diesem Mann mit Glatze bekommen wollte. Sie haben mich gefragt, warum? Und ich habe gesagt, ich habe einen Song über Glatzen, „Bald ist Best“. Sie haben gesagt, okay, wir leiten ihn weiter. Und so habe ich den Song als mp3 geschickt und sie sind zu mir zurückgekommen und haben gesagt, dass ihnen der Song sehr gut gefällt, und dass der Song vielen Menschen mit Alopecia Areata auf der ganzen Welt helfen kann. Ich sagte okay, und das Endergebnis ist, dass mein Song „ Bald is Best“ der offizielle Song der NAAF weltweit ist. Ich versuch das zu promoten. Man kann meine Songs auf iTunes und auf Amazon (http://www.amazon.com/Bald-Is-Best/dp/B00489ON3E)  downloaden, und ein Teil des Gewinns geht an die NAAF.
Haare sind immer eine haarige Geschichte. You know, mit Locken oder Glatze, das ist nur eine Frage des Stils. Nächstes Jahr wird es etwas anderes sein und jede Generation hat ihre eigene Mode. In den 70ern war der Afro in, jeder hatte einen Afro. Ich bin da individuell und habe gesagt, okay, meine Haare gehen ein bisschen zurück. It started to go and I helped it along, you know? Und dann habe ich Isaac Hayes gesehen, von ihm ist der Song „Shaft“. Ich habe Telly Savalas in Hollywood auch später kengelernt. Und ich dachte, okay, Isaac Hayes, großes Vorbild, hat sich den Kopf rasiert, das mache ich auch. Also habe ich mir 1972 den Kopf rasiert. Aber wichtig ist nicht der Haarstil, wichtig ist die Persönlichkeit, wie ein Mensch im Inneren ist. Alles andere ist äußerer Schein. Okay, Haare sind vielen Menschen wichtig, Du hast schöne Haare! Aber wichtig ist, wie du bist als  Person. Mit oder ohne Haaren!

Gibt es etwas, was Sie der KrauseLocke.de-Community gerne noch sagen würden?

Oh! … Be yourself! Sei Du selbst, sei Deine eigene Person. Versuch nicht jemand anderes zu sein. Du kannst ein Vorbild haben, aber sei ehrlich mit dir selbst und anderen. What you see is what you get. Versuch nicht jemand anderes zu sein. Viele Beziehungen gehen kaputt, weil einer versucht dem anderen etwas vorzutäuschen; versucht  jemand anderer zu sein. Be youself! Don’t smoke and don’t drink! Drive carefully. [lacht]

                                                                                  Das Interview führte Johanna Lukate
im März 2012

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