„Meine Haut ist braun, mein Haar ist kraus, wo ich auch hinkam,
immer sah ich anders aus“. Das sind Zeilen aus dem Lied „Vier Frauen“. Joy
Denalane sing und ich kann mich mit ihren Worten ganz gut identifizieren: Braune
Haut, krause Haare, viel zu oft Blicke, die an mir haften. Braun darf ich mich
allerdings nicht nennen. Wurde mir gesagt. Braun wird mit einer Gruppe von
Menschen in Zusammenhang gebracht, mit denen ich mich mal so gar nicht
identifizieren mag.
Auch über den Begriff „Mischling“, den ich lange als
Selbstbezeichnung für mich verwendet hatte, wurde mir gesagt, dass ich ihn
nicht verwenden soll. „Mischling“ sei ein Begriff für Tiere, zum Beispiel für Hunde
zweier unterschiedlicher Rassen. Wie könne ich nur, mich selbst mit einem Tier
zu vergleichen?
Den Begriff „Schwarz“ kenne ich natürlich auch. Damit
identifiziert habe ich mich nie. Mein Vater, ein vom Hautton dunklerer Mann als
ich, antwortete mir auf die Frage nach der Bezeichnung seiner Hautfarbe mit: „Dunkelbraun.“
„Dunkelbraun? Das sagt doch keiner. Die Leute nenne dich Schwarz! Oder
Afrikaner oder Ghanaer?“
„Ich bin David. David Donkor.“
Ich bin Esther Donkor. Tochter von David Donkor. Schwarz?
Tochter von Ute Donkor. Weiß? Beige? Rot bei Ärger, Freude oder Hitze?
Vater, wenn du Schwarz bist - darf ich es dann auch sein?
Mutter, wenn du Weiß bist - darf ich mich dazu entscheiden, es dir gleich zu tun?
Wer bin ich?
Oder vielmehr: Was bin ich, entstanden aus
eurer Vereinigung?
In der Schule gab es Manju. Indische Eltern, dunklere
Hautfarbe als ich. Später lernte ich Amrita kennen. Adoptiveltern weiß?
Erzeuger aus Sri Lanka? Sind die beiden Schwarz? Wer sind sie? Oder vielmehr:
Was sind sie? Ich bin verwirrt.
Was definiert „Schwarz“ und was definiert „Weiß“?
Deutschland Schwarz weiß?
Von wegen!
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