Ein Text von Gastautorin Jessica Lawson.
Sie ist die Mutter von 4,7 Kindern.
Sie versorgt den Haushalt gemeinsam mit ihren Töchtern.
Sie verfügt über eine geringe Bildung und hat früh
geheiratet.
Sie hat kaum Rechte; ihr Mann ist ihr Vormund, die Sonne, um
die sich ihr kleiner Planet dreht.
Sie ist Afrikanerin.
Das sind die typischen Klischees und Rollenverteilungen, wie
sie wahrscheinlich jede/r von uns schon 100-mal aufschnappen musste.
Ja, unsere Gesellschaft weiß alles über sie, die
afrikanische Frau.
Wirklich?
Was wissen wir beispielsweise über ihre Geschichte?
Werfen wir gemeinsam einen Blick in das große Buch der
Mythen, dann werden wir schnell herausfinden, welche traditionelle Stellung die
Frau in der afrikanischen Gesellschaft inne hat.
Die Akpossos aus Togo berichten so zum Beispiel, dass
Uwolowu (der Gott) zuerst die Frau erschaffen hat und durch sie dann andere
Lebewesen auf die Welt kommen konnten.
Die Frau wird also dafür verehrt, Leben erschaffen zu
können.
Sie teilt diese einzigartige Rezeptur mit dem Obersten
überhaupt – nämlich Gott.
Manche Mythen Afrikas kennen sogar nur noch den Namen der
ersten Frau (und nicht auch den Namen des ersten Mannes), was ihre Wichtigkeit
unterstreicht.
Wichtig, das waren auch Frauen wie Abla Pokou, die die Baule
nach mehreren kriegerischen Auseinandersetzungen in die Elfenbeinküste führte
oder die unerschrockene Königin Anna Nzinga.
Ja, Frauen hatten hohe Ämter inne, waren zum Teil
Königinnen.
Und eine ethnische Gruppe wurde sogar ihr zu Ehren
benannt: die Ashanti, was übersetzt nichts anderes heißt als „Starke Frau.“*
Und dann?
Und dann kam der weiße Mann.
Im Zuge der Kolonialisierung wurden gesellschaftliche Strukturen
(un)willentlich verändert und so auch die Stellung der Frau.
So wollten europäische Missionare nicht nur Werte wie Gehorsam,
Pünktlichkeit und Fleiß vermitteln, nein, sie brachten den Afrikanern auch noch
das höchste Gut bei: geschlechtliche Arbeitsteilung.
„Kochen, Kinder, Kirche“ - die 3 Ks der Frau. Vor der
Kolonialisierung war es durchaus üblich gewesen, dass Mann und Frau sich die
häuslichen Pflichten teilten. (Und die Europäer fanden die Afrikaner damals
unterentwickelt und rückschrittlich. Ironie, oder?)
Der Mann jedenfalls durfte oder musste auf Grund seiner
Kraft der Lohnarbeit nachgehen, um den Lebensunterhalt und zum Beispiel auch
die Kopf- oder Hüttensteuer bezahlen zu können.
Die neuen Lebensumstände machten die Afrikaner abhängig vom
Geld und die Frauen, da sie selten selbst arbeiten gehen konnten, abhängig vom
Mann.
Ganz wie ihr europäisches Pendant eben.
Heute sehen wir sie im Alltag noch oft: auf Plakaten, im
Fernsehen oder auf Bildern (die man manchmal wirklich gerade rücken muss.)
Krug auf dem Kopf und Kind auf dem Rücken.
Jede Einzelne von ihnen eine wirkliche Ashanti.
*Zumindest bedeutet der Name „Ashanti“ das, wie man im
Internet lesen kann.
QUELLEN:
1) Buch:
„Farbe bekennen, Afro-deutsche Frauen auf den Spuren ihrer Geschichte“ von
Katharina Oguntoye, May Ayim und Dagmar Schultz
2) Buch:
„Königinnen Afrikas“ von Sylvia Serbin
Labels: Krausekultur, Krauselocken