Ein Treffen mit Mo Asumang beim Festival "African Diaspora Cinema"
Im September fand das
Festival „African Diaspora Cinema“ in Köln statt und ich durfte viele,
inspirierende Filmemacher/innen und Künstler/innen kennenlernen. Eine von ihnen
ist Mo Asumang - Moderatorin und Schauspielerin, deren Film „Die Arier“ im Rahmen des Festivals gezeigt
wurde.
Nancy, Mo und Esther.
DER FILM
"Diese Kugel ist
für dich, Mo Asumang" – die Textzeilen der Neonazi-Band "White
Aryan Rebels" versetzten die Tochter eines Ghanaers und einer Deutschen vor
einigen Jahren in großes Entsetzen. In der Schockstarre wollte sie allerdings
nicht verharren und nahm die rassistischen Anfeindungen zum Anlass, sich
intensiver mit der rechten Szene und dem dort hochgepriesenen Begriff des „Ariers“
auseinanderzusetzen. Im gleichnamigen Film „Die Arier“ versucht die Moderatorin
herauszufinden, was hinter der Idee vom „Herrenmenschen“ steckt. Mutig sucht
sie immer wieder das Gespräch, begibt sie sich auf Nazidemos, trifft sich in
den USA mit Rassisten und dem Ku Klux Klan und stößt letztendlich im Iran auf
die wahren Arier – findet heraus, dass es den deutschen Arier eigentlich gar
nicht gibt.
„Wenn einer Neger zu dir sagt, dann sag: du Kalkeimer!“
Der Film sei nicht gut angekommen in der Naziszene, erzählt Mo. Aber damit musste sie rechnen. Auch während der Dreharbeiten waren Angst und Gefahr ständige Begleiter – zum Beispiel, als Mo in Wissmar einen ganzen Tag lang bei einem Naziaufmarsch mitlief, um mit den Rechten ins Gespräch zu kommen. Oder, als sie in Amerika mitten in der Nacht auf Mitglieder des Ku Klux Klan wartete. „Die sind fast alle bewaffnet in den USA.“, erzählt Mo. „Maschinengewehre kannst du sofort kaufen und mitnehmen, bei Handfeuerwaffen musst du drei Tage warten.“
Im Geiste habe sie sich schon mehrmals umfallen sehen. Am Ende ist dann doch alles gut gegangen und ihre Gesprächspartner gaben ihr teilweise abstruse und fast komödiantisch anmutende Antworten. Wut habe sie dabei jedoch selten empfunden. „Klar macht mich Rassismus wütend. Vor allem bei Menschen, die Rassismus bewusst produzieren und wollen, dass alle Rassisten werden. Das kommt auch bei sogenannten Intellektuellen und Studierten erschreckend oft vor, wie man im Film gut sehen kann. Aber ich will ich bleiben und mich von der Negativität nicht unterkriegen lassen. Ich möchte die Wut dieser Leute nicht übernehmen. Das ist nicht mein Weg.“
Mo Asumangs Großmutter war übrigens in der SS. Als sie erfuhr, dass sie ein schwarzes Enkelkind bekommen würde, soll sie gerufen haben: „Ich werf‘ mich vor die Straßenbahn!“. Nach Mos Geburt wurde das Kind jedoch geliebt. Von Rassismus und der SS wurde nie mehr gesprochen –dafür gab Oma der kleinen Mo Ratschläge mit auf den Lebensweg: „Wenn einer Neger zu dir sagt, dann sag: du Kalkeimer!“
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